Gedenken an die Gefallenen der Räterepublik

Veranstaltung zu Ehren der Verteidiger*innen der Bremer Räterepublik

Sonntag, 14. Februar 2016
11 Uhr, Waller Friedhof
Es spricht: Dr. Seltsam (Berlin)
Moderation: Wolfgang Meier
Musikalisch begleitet vom Buchtstraßenchor

Anschließend ab 12.00 Uhr:
Kulturprogramm im Westend
Musikalische Einleitung: Michael Henk
Moderation Raimund Gaebelein

Es liest:
Rolf Becker (Schauspieler, Hamburg)
aus Peter Weiß: Ästhetik des Widerstands

Es laden ein:

Bildungsgemeinschaft SALZ; Bremer Antikapitalistische Linke (BAL); DGB BREMEN; DIE LINKE. Landesverband Bremen; DIE LINKE. Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft; Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Bremen; DKP Bremen-Nord; Initiative Bremer Montagsdemonstration; Initiative Nordbremer Bürger gegen den Krieg; Marxistische Abendschule (MASCH) Bremen; Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland (MLPD) Bremen; Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Bremen; Rote Hilfe e.V. Ortsgruppe Bremen; Jugendverband REBELL Bremen;

Am 04. Februar 2016 jährt sich zum 97. Mal die Niederschlagung der Bremer Räterepublik. Die Herrschaft des Arbeiter- und Soldatenrates in der Revolution von 1918/19 und die Existenz der „Sozialistischen Republik Bremen“ vom 10. Januar bis zum 04. Februar 1919 gehören zur demokratischen Tradition unserer Stadt. Der Kieler Matrosenaufstand, der die deutsche Revolution im November 1918 einleitete, bildete auch in Bremen den Auslöser für den Sturz der alten Ordnung. Am 6. November gab der Unabhängige Sozialdemokrat Adam Frasunkiewiecz vom Balkon des Rathauses bekannt, dass ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet wird. Doch anders als in Bremen, wo die Linke die Mehrheit in der Arbeiterbewegung hatte, kam die Revolution in Berlin und im Reich bald ins Stocken. Die Führung der Mehrheitssozialdemokratie unter Ebert und Scheidemann und die Spitzen der Gewerkschaften wollten eine Entwicklung wie nach der russischen Oktoberrevolution verhindern und orientierten auf die Errichtung einer bürgerlich-demokratischen, parlamentarischen Republik. Sie setzten statt der Errichtung einer Räteherrschaft der Arbeiter-schaft die Wahlen zu einer Natioalversammlung durch, ließen die alten Gewalten in Wirtschaft, Staatsapparat, Justiz und Armee ihre Macht und bekämpften eine weitere Umwälzung auch mit Waffengewalt, indem sie mit Freikorps unter kaiserlichen Offizieren gegen USPD und Spartakus vorgingen. Den von Noske geführten konterrevolutionären Truppen fielen im Januar 1919 Hunderte von Sozialisten zum Opfer, unter ihnen auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Um diese Entwicklung in Bremen zu verhindern und die angestrebte sozialistische Demokratie zu erreichen, proklamierte der Aktionsausschuss nach einer großen Demonstration der Bremer Arbeiter und Arbeiterinnen am 10. Januar 1919 die „Sozialistische Republik Bremen“ und ein Rat von Volksbeauftragten aus USPD- und KPD-Mitgliedern (u.a. Dannat, Henke, Knief) übernahm die Verwaltung der Stadt. Die Räteregierung nahm eine Reihe sozialer Reformen in Angriff.

Die Banken weigerten sich, der neuen Regierung Geld für Löhne und Gehälter auszuzahlen. Vor allem aber hatte die Ebert-Regierung in Berlin – auch auf Bitten der Abgesandten der Bremer Kaufmannschaft – beschlossen, in Bremen wieder „Ruhe und Ordnung“ herzustellen. Am 25. Januar befahl Noske der Freiwilligen-Division Gerstenberg, der sich ein aus bremischen Bürgersöhnen gebildeten Freikorps unter Oberst Caspari anschloss, den Angriff auf Bremen. Der begann am 04. Februar mit über 3000 Soldaten, Kanonen und Panzerautos. Nach heftiger Gegenwehr mussten die Arbeiter den Kampf einstellen, 29 Verteidiger der Räterepublik waren gefallen. So endete auch in Bremen der Versuch, Demokratie und Sozialismus durchzusetzen.

Wir gedenken der gefallenen Verteidiger der Bremer Räterepublik und wir fragen nach der Aktualität ihrer Ideen für uns heute.

Denn wir sehen

- dass heute wie damals der Kapitalismus nicht in der Lage ist, eine gerechte Wirtschaft und Gesellschaft zu gestalten,

- dass heute wie damals die Militarisierung sowohl im Inneren als auch nach außen intensiviert wird,

- dass heute wie damals der Sicherheits- und Polizeistaat ausgebaut wird,

- dass heute wie damals soziale Rechte abgebaut werden,

- dass die Arbeitskraft der Menschen immer stärker ausgebeutet wird.

Unsere Lehren daraus sind

- uns mit den Forderungen der Rätebewegung auseinanderzusetzen.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!